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Meditationen/Messauszüge/Gebete Kevelaer 2011
Leitthema: „Zur Hoffnung berufen“
Gott erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist. (Einheitsübersetzung, Epheser 1, 18-19)
Von diesen Zeilen des Apostels Paulus an die Christen in Ephesus leitet sich das diesjährige Leitwort der Kevelaer-Wallfahrt ab.
Was ist Hoffnung? Hoffnung können wir nicht sehen. Wir können Hoffnung haben, verlieren oder wiederfinden. Wir können Hoffnung schöpfen oder auf etwas setzen. Hoffnungen können enttäuscht werden. Wir können einen Grund zur Hoffnung haben oder Hoffnungsschimmer sehen. Aber die Hoffnung selbst kann man nicht sehen.
Sehen können wir, wie sich jemand freut oder dass etwas nicht stimmt. Wir können auch etwas anders als andere sehen. Manch einer sieht, dass er sich geirrt hat. Nur Hoffnung kann man nicht sehen.
Trotzdem wünscht Paulus den Christen in Ephesus genau das. Er hofft, dass sie etwas können, was man eigentlich gar nicht kann.
Menschen, die aus Hoffnung leben, sehen weiter. Menschen, die aus Liebe leben, sehen tiefer. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.
So machen wir uns miteinander auf den Weg.
Mit begrenzter Kraft, in begrenzter Zeit, aber mit unbegrenzter Zuversicht im Herzen. Nicht allein, sondern in einer Gemeinschaft, die uns Halt gibt und uns trägt in der Gewissheit: Wir alle sind von Gott berufen, diesen Weg zu gehen. Er ist und bleibt in unserer Nähe. Zu dieser Hoffnung sind wir berufen.
Zwei Frösche fallen in eine Schale mit Milch. Nachdem sie einmal im Kreis geschwommen sind, müssen sie feststellen, dass sie es nicht alleine schaffen, aus der Schale zu kommen, da die Wände zu hoch und zu glatt sind.
Der eine Frosch sagt sich, dass es ja doch keinen Sinn hat, weiter zu schwimmen, weil er dadurch nicht aus der Schale kommt. Er hört auf zu schwimmen und ertrinkt. Der andere Frosch aber gibt nicht auf und schwimmt weiter. Nach und nach wird aus der Milch Butter und nach einer Weile ist diese so fest, dass der Frosch aus der Schale hüpfen kann.
Morgengebet:
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich mich heute freuen über die Lichtblicke im Dunkeln und die Augenblicke des Glücks.
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich mir heute vornehmen, das Schöne auch im Schweren zu sehen und anzunehmen.
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich heute hellwach sein für die Berührungspunkte und Fingerzeige Gottes.
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich heute so leben, dass ich allen und allem liebevoll begegnen kann.
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich heute das tun, was mir möglich und lassen, was unnötig ist.
Weil kein Tag wie jeder andere ist, will ich heute alles zur großen Ehre Gottes tun.
Amen
Eine wahre Geschichte
Ein Mann wurde abends versehentlich in ein Kühlhaus eingeschlossen. Er wusste, dass bis zum nächsten Morgen niemand mehr kommen würde. Dies, so glaubte er, sei sein Todesurteil. Er hatte keine Hoffnung, eine ganze Nacht lang bei solch extremer Kälte überleben zu können und schrieb an seine Familie einen Abschiedsbrief.
Am nächsten Morgen fand man ihn tot auf. Sein Tod war jedoch allen Beteiligten unverständlich. In der Nacht war die Kühlanlage ausgefallen und eigentlich hätte er überleben können müssen. Er war an seinem Glauben gestorben, keine Überlebenschance zu haben. Er hatte die Hoffnung aufgegeben und sich damit zum Tode verurteilt.
Chance der Bärenraupe
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Fünf Laster, ein Schlepper, ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist. Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün, man müsste hinüber. Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster, ein Schlepper, ein Pferdefuhrwerk. Geht los ohne Hast, ohne Furcht, ohne Taktik. Fünf Laster, ein Schlepper, ein Pferdefuhrwerk. Geht los und geht und geht und geht --- und kommt an.
Zur Hoffnung berufen
Kein Problem für diejenigen, denen es gut geht, aber was sollen diejenigen sagen, die am Boden liegen, die das Ziel vor Augen verloren haben?
Jeder von uns war bestimmt schon einmal in der Situation, dass er zu sich selbst gesagt hat: „Wie soll es nur weitergehen?“ oder „Das macht doch alles keinen Sinn mehr!“
Menschen, die uns nahe stehen, haben uns dann vielleicht Mut gemacht und Hoffnung gegeben, die wir mehr oder weniger angenommen haben.
Auf unserer Wallfahrt sind wir mit einer vielfältigen Gemeinschaft unterwegs. Jeder mit seinen eigenen Anliegen, aber alle mit dem gemeinsamen Ziel.
In den Gesprächen haben wir von dem ein oder anderen etwas erfahren dürfen, was ihn bewegt, und vielleicht konnten wir auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wir, die wir mehr oder weniger auf Gott bauen und auf ihn unsere Hoffnungen legen.
Guter Gott, wir sind zur Hoffnung berufen, dürfen auf dich hoffen, aber wenn uns mal nichts zu gelingen scheint und wir nicht mehr weiter wissen, dann verlässt uns die Hoffnung und wir fragen uns: „Warum tust du uns das an, Gott?“ Hilf uns, auch in dieser Zeit nicht den Blick nach vorne zu verlieren und aus den Problemen etwas für unsere Zukunft mitzunehmen.
Guter Gott, jeder von uns hat seine eigene Art und Weise, mit Problemen umzugehen. Der eine versinkt in Selbstmitleid, während der andere es in sich hineinfrisst und so tut, als wäre nichts. Hilf uns, mit unseren Problemen umzugehen und Hilfe aus unserer Umgebung anzunehmen, damit wir an Hoffnung gewinnen.
Guter Gott, in der Gemeinschaft schenkst du uns Kraft und Hoffnung. Wir sind nicht alleine. Oft nutzen wir diese Gemeinschaft, wenn es uns nicht gut geht, um wieder Kraft zu sammeln und vergessen dabei, auch anderen einmal ein offenes Ohr und eine helfende Hand zu schenken.
Herr, wir bitten um dein Erbarmen, denn unsere Hoffnung schwindet ab und an, aber wir wagen es mit dir immer wieder auf’s Neue.
Text anstelle einer Lesung:
Ein Professor der Medizin stirbt und seine drei Söhne lösen seinen Haushalt auf. Die Mutter war schon lange vorher gestorben und der Vater hatte mit einer langjährigen Haushälterin allein gelebt. Im Arbeitszimmer des Vaters fanden die Söhne neben vielen wertvollen Dingen in einem Schrank ein steinhartes, vertrocknetes halbes Brot. Die Haushälterin wusste, was es damit auf sich hatte.
In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Da schickte ihm ein guter Freund ein halbes Brot, damit der Professor etwas zu essen hatte. Der aber dachte an die viel jüngere Tochter eines Nachbarn und ließ dem Mädchen das Brot schicken. Die Nachbarsfamilie aber mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es weiter an eine arme alte Witwe, die oben im Haus in einer kleinen Dachkammer hauste. Die alte Frau aber brachte das Brot ihrer Tochter, die mit zwei kleinen Kindern ein paar Häuser weiter wohnte und für die Kinder nichts zu essen hatte. Diese dachte, als sie das Brot bekam, an den Medizin-Professor, der todkrank lag. Sie sagte sich, dass er ihrem Jungen das Leben gerettet und kein Geld dafür genommen hatte. Nun hatte sie eine gute Gelegenheit, es ihm zu danken, und ließ das Brot zum Professor bringen.
„Wir haben das Brot sofort wiedererkannt“, sagte die Haushälterin, „unter dem Brot klebte immer noch das kleine Papierstückchen“.
Als der Professor sein Brot wieder in der Hand hielt, sagte er: „Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein. Dies Brot hat viele satt gemacht, obwohl keiner davon gegessen hat. Dies Brot ist heilig. Es gehört Gott.“
So legte er es in den Schrank. Er wollte es immer wieder ansehen, wenn er einmal nicht weiter wusste und die Hoffnung verlor.
Es war das Brot der Hoffnung.
Unsere Hoffnung muss Phantasie bekommen, die diese Welt neu entwerfen kann, die das ausmalen, ausdenken, ausdeuten, ausbreiten kann, von dem wir jetzt nur träumen können: Den neuen Himmel und die neue Erde.
Unsere Hoffnung muss Hände bekommen, die Hand anlegen an dieser Welt, heilende Hände, welche die Tränen abtrocknen und sich nicht abfinden mit der Unerlöstheit dieser Welt.
Unsere Hoffnung muss Füße bekommen, die sich wund laufen für das Heil der Welt, denen kein Weg zu weit und zu schwer ist, zu den Menschen zu gehen, die den Weg Jesu Christi weitergehen, die Gott hier auf Erden in Gang bringen.
Unsere Hoffnung muss Worte bekommen, welche die Menschen verstehen, ein rechtes Wort zur rechten Zeit. Worte, die Trauer tragen, die trösten, Worte, die Freude schenken.
Bedeutung des Rosenkranzes
Als Kardinal Meisner einmal nach der Bedeutung des Rosenkranzgebetes gefragt wurde, erinnere er sich an eine Begegnung mit einer Gruppe von katholischen Wolga-Deutschen aus Kasachstan, die im Jahre 1975 auf einer Touristenreise in die damalige DDR nach Erfurt kamen. Dort nahmen sie seit 30 Jahren zum ersten Mal wieder an einem katholischen Gottesdienst teil.
„Herr Bischof, wir haben Heimweh nach der Kirche“ sprachen sie nach der Hl. Messe zu ihm, „können Sie uns sagen, welche Glaubenswahrheiten wir unseren Kindern und Kindeskindern weitergeben müssen, damit sie das Leben erlangen können?“
Der Kardinal wollte ihnen einen Katechismus und ein Neues Testament mitgeben, aber sie entgegneten: „Religiöse Bücher dürfen wir daheim nicht besitzen, geschweige denn aus dem Ausland einführen; das ist schlimmer, als wenn wir Waffen mit nach Hause brächten.“ Daraufhin fragte er sie: „Wie wäre es dann mit einem Rosenkranz?“
„Ja“ sagten sie, das ginge; „die Frauen hängen ihn sich als Halsschmuck um den Hals und wir Männer stecken ihn als Talisman in unsere Taschen. Aber was hat denn das mit der Frage nach den notwendigsten Glaubenswahrheiten zu tun?“
Da zog der Kardinal seinen Rosenkranz aus der Tasche und antwortete: „Hier am Ende des Rosenkranzes befindet sich das Kreuz, das zugleich auch den Anfang des Rosenkranzes bildet. An dieser Stelle beten wir das Glaubensbekenntnis. Das ist unsere ganze Glaubenslehre. Dann folgt eine dickere Perle, an dem das „Ehre sei dem Vater ... „ gesprochen wird. Das bedeutet: Alles zur größeren Ehre Gottes wirken und so unserem Gebet und unserer Arbeit eine Richtung geben. An dieser Perle wird auch das Vaterunser gesprochen, das schönste Gebet, weil Jesus es uns gelehrt hat; ein Gebet, aus dem schon viele Trost und Kraft geschöpft haben. Dann folgen die ersten drei kleinen Perlen. Hier beten wir um die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Das ist unsere ganze Glaubenslehre. Mehr erwartet Gott von uns nicht. In dem ersten kleinen Stückchen des Rosenkranzes ist also die ganze Glaubens- und Lebenslehre enthalten. Am übrigen Perlenkranz sind die Evangelien aufgefädelt – gleichsam in einer Art Geheim- und Blindenschrift. Sie ist nur mit den Händen und dem Herzen zu ertasten: Im freudenreichen Rosenkranz betrachten wir dabei die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes in Jesus Christius aus Maria, der Jungfrau. Der schmerzhafte Rosenkranz lässt uns teilnehmen an den Geheimnissen des Leidens und Sterbens Christi und der glorreiche Rosenkranz schließlich führt uns zu den Geheimnissen der Auferstehung und unserer eigenen Vollendung.“
Daraufhin sagten die fragenden Christen aus Russland voller Freude: „Aber dann haben wir ja unseren ganzen katholischen Glauben in einer einzigen Hand!“
Ja, im Rosenkranz begegnet uns das Notwendigste. Die wesentlichen Dinge des Glaubens sind ganz einfach. Der Rosenkranz ist die eiserne Ration unseres Glaubens in Taschenformat.
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