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Die Geschichte der Marianischen Rosenkranzbruderschaft Die Rosenkranzbruderschaft in der Pfarrkirche zur hl. Helena in Rheindahlen wurde errichtet im Jahre 1650 unter dem Pfarrer Henricus Reuter. Die canonische Einführung fand am Ostersonntage, den 31. März 1652 statt durch den Dominikaner-Pater Conrad Schagens von Anrath aus dem Kölner Dominikanerkloster. Damit die Andacht treu und feierlich gehalten werde, stiftete Pfarrer Reuter im Jahre 1654 die Summe von 200 Reichstalern, die später 250 Reichstaler erhöht wurde. Er bestimmte dabei die Ordnung der Andacht folgendermaßen: Am ersten Sonntage im Monat und an allen höheren Muttergottesdiensten zog die Prozession aus der Pfarrkirche zu der auf dem Kirchhof vor dem Mühlentor gelegenen alten Kapelle, und zwar nachmittags nach gehaltener Vesper. Dort fand die Rosenkranzandacht statt, nach derselben Predigt; nach Rückkehr in die Pfarrkirche wurde dort der sakramentale Segen gegeben. Der erste Präfekt war er damalige Bürgermeister von Dahlen, Wilhelm Quirins. Das Stiftungskapital, betreffs dessen der Stifter für den Fall der Auflösung der Bruderschaft genaue Bestimmungen traf, wurde mit den übrigen Kirchen- und Klostergütern im Anfang des 19. Jahrhunderts eingezogen und ist verloren. Die Bruderschaft aber blieb bestehen. Die Andacht wurde stets treu gehalten und gut besucht, die Gläubigen empfingen an den Bruderschaftstagen fleißig die hl. Sakramente. Ja, der erste Monatssonntag erhielt durch die Bruderschaftsfeierlichkeiten einen besonderen Charakter, fast als Festtag, so dass die Männer an diesen Tagen in vollem Staat mit schwarzem Zylinder beim Gottesdienste erschienen, während sie an den anderen Sonntagen in der üblichen bäuerlichen Tracht mit Holzschuhen und blauem Kittel kamen. Seit dem Abbruch der Kapelle auf dem alten Kirchhof fand die Prozession mit dem Allerheiligsten in der Kirche statt, wobei vier weißgekleidete Jungfrauen ein großes bekleidetes Muttergottesbild auf einer Tragbahre auf den Schultern durch die Kirche trugen. Die Sitte ist gegen Mitte des 19. Jahrhunderts abgekommen. Im Jahre 1840 veranstaltete die Bruderschaft zum ersten Male eine Wallfahrt nach Kevelaer, die sich großer Teilnahme (4-500 Personen) erfreute und seitdem allgemeines Interesse fand. Damals wurden auch die anscheinend erloschenen Ämter eines Präfekten und 12 Brudermeister wieder eingeführt. Dieselben sorgten für das Vorbeten, die Ordnung bei der Prozession und für die Deckung der Unkosten. Seit dem Jahre 1841 begleitete auch ein Pfarrgeistlicher die Pilger, zuerst Dechant Wintzen. Die Namen der Präfekten nebst Datum Ihrer Wahl sind folgende: |
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Die Kosten der Prozession werden aufgebracht durch ein Eintrittsgeld von 20 Pfg., welches von den Eintretenden bei der Anmeldung erhoben wird, ferner durch eine Sammlung, welche die Brudermeister in der Stadt einige Wochen vor der Prozession abhalten. Im Jahre 1890 wurde unter Oberpfarrer Bens das 50jährige Jubiläum der Wallfahrt gehalten, an der sich damals 700 Personen beteiligten. Alljährlich lässt die Bruderschaft für ihre lebenden und verstorbenen Mitglieder mehrere hl. Messen halten. Im Laufe der Zeiten war bei den Mitgliedern sowohl wie bei den Vorstehern der Bruderschaft das Bewußtsein geschwunden, dass sie die alte, herrliche segensreiche Bruderschaft vom hl. Rosenkranze sei. Dass sie es wirklich war, beweist die Stiftungsurkunde von Pfarrer Reuter, die Ordnung der Andacht am ersten Monatssonntage, welche diejenige der Rosenkranzbruderschaft ist, und welche im Wesentlichen treu bis auf den heutigen Tag gehalten worden ist, es beweist endlich die bei den Bruderschafts-Akten befindliche Eingabe des Oberpfarrers Schümmer vom 11. April 1867. Im Jahre 1860 hatte der Vorstand sich nämlich ein neues Statut gegeben, dass sich fast nur auf Äußerlichkeiten bezog, dabei aber der Bruderschaft den Namen “Bruderschaft zur unbefleckten Empfängnis Mariä” beigelegt, offenbar in völliger Unkenntnis des Charakters und der Geschichte der Bruderschaft. Oberpfarrer Schümmer bestätigte zwar diese Änderung, beantragte im Jahre 1867 unter völliger Außerachtlassung derselben die Erneuerung der alten Ablässe der Bruderschaft. Dieselbe wurde von der erzbischöflichen Behörde genehmigt unter dem 02. Mai 1867. Obwohl die monatliche Bruderschaftsandacht stets ordnungsgemäß stattfand, trat trotz allem der Charakter als Rosenkranzbruderschaft immer mehr zurück, ihre Aufgabe schien die jetzt immer als “Marianische Bruderschaft” bezeichnete uralte Gründung fast einzig in die Veranstaltung der Kevelaer-Wallfahrt zu setzen. So schön und erbaulich dieselbe sein mag, so ist doch offenbar der Charakter derselben als Rosenkranzbruderschaft von viel höherer Bedeutung für das Gebetsleben der Gemeinde. Als daher Pfarrer Pauen nach Einsichtnahem der Bruderschaftsakten zu der Überzeugung kam, dass durch die neuen Bestimmungen Leos des XIII über die Rosenkranzbruderschaft der rechtliche Bestand und die Ablässe der Mariansichen Rosenkranzbruderschaft mindestens zweifelhaft seien, wandte er sich an den General der Dominikaner in Rom mit der Bitte um Entscheidung, ob und inwieweit unsere Bruderschaft noch zu Recht bestehe. Als Antwort darauf erhielt derselbe den Rat, die Bruderschaft der Sicherheit halber neu errichten zu lassen; derselbe entschloss sich dazu, natürlich unter treuer Aufrechterhaltung der alten Sitten und Gebräuche und Einrichtungen derselben. Das neue Errichtungsdekret ist datiert vom 07. September 1908. Unter Darlegun g der Verhältnisse wurde dasselbe Sr. Eminenz, dem hochwürdigen Herrn Cardinal-Erzbischof Dr. Antonius Fischer zur Recognition übersandt. Diese wurde unter dem 01. Oktober 1908 J.N. 4903 erteilt. Die Neuerrichtung fand durch den Unterzeichneten statt am 04. Oktober 1908, dem Rosenkranzfeste, welches als Titularfest der neu erstandenen Rosenkranzbruderschaft auch in Zukunft festlich begangen werden soll mit feierlichem Hochamte, Festandacht mit Predigt und Andacht während der Oktave. Als Bruderschaftsaltar dient der Muttergottesaltar. Leiter der Rosenkranzbruderschaft ist der jeweilige Pfarrer an der Pfarrkirche und dessen Nachfolger. Die Bruderschaft, die seit 259 Jahren in der Pfarrei so segenreich gewirkt, das Gebetsleben gefördert und die eifrige Verehrung der allerseligsten Jungfrau stets lebendig erhalten hat, ist nunmehr zu neuem Leben erstanden und besitzt unzweifelhaft alle Rechte und Vorteile der Rosenkranzbruderschaft. Möchte dieselbe wieder zu neuer Blüte gelangen, und möchten sich alle Hoffnungen erfüllen, welche sich an ihre Wiederbelebung knüpfen: Verehrung und Liebe zur allerseligsten Jungfrau, eifrigen Empfang der hl. Sakramente, Wachstum in Glaube und Tugend, Liebe zu Christus und seiner hl. Kirche, reichen Segen für die Pfarrgemeinde, ewiges Heil für ihre Mitglieder und endlich glückliche Vollendung des Neubaues der Pfarrkirche, der schon so viele Jahre sehnsüchtig erstrebt wird. Auszug aus dem Bruderschaftsbüchlein der Marianischen Rosenkranzbruderschaft in Rheindahlen von 1909 |