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Das Dörnchen, eine Stätte der Besinnung und des stillen Gebetes

von Paul Hilgers

Im Jahre 1869 fassten Oberpfarrer Gerhard Schümmer und seine Gemeinde den Plan, am “Dörnchen” einen Marienbildstock zu Ehren der Schmerzhaften Mutter Gottes zu errichten. Initiatoren waren die Mitglieder der Marianischen Rosenkranzbruderschaft. Dazu sagt die Pfarrchronik folgendes: “Heute, den 9ten Sonntag nach Pfingsten, den 7ten August 1870, wurde in feierlicher Prozession das Bild der Schmerzhaften Mutter Gottes aus der Pfarrkirche in das am “Dörnchen” bei Merreter neu erbaute Heiligenhäuschen hingetragen und dort vom derzeitigen Oberpfarrer zu Dahlen nach kirchlicher Vorschrift gesegnet. Die mitunterzeichneten Marianischen Präfekten und Brudermeister haben das Bild begleitet und mit den Brudermeistern der St. Matthiasbruderschaft in der Prozession die Gebete geleitet und die Ordnung gehandhabt.

Dahlen, den 7ten August 1870

Der Vorstand der Marianischen Bruderschaft

Der Oberpfarrer Gerhard Hubert Schümmer

Johann Clemens Wolters, Präfekt, L. Lorzen früherer Präfekt, H. Baums, Christian Mock, Theodor Schröders, H. Ehser, Hermann Winkels, Peter Pflipsen, P.H. Hortmanns, Hrm. Jos. Lommen, Peter Brendges, Johann Wyen, Heinr. Oelers, Hermann J. Lübges, Jakob Hoeren.

 

Das Dörnchen

Wie auf alten Karten zu sehen, führten von alters her zwei Wege von Dahlen nach Merreter, die durch die Flurbereinigung und die Industrieansiedlung im Westen Rheindahlens weitgehend aufgelöst werden mussten. Da gab es den Merreter Kirchweg, der in kürzester Weise das Dorf Merreter mit Dahlen verband. Allerdings war dieser Weg im Winter und bei nassen Sommern kaum begehbar. Da gab es weiter die alte Fahrstraße von Beeck nach Dahlen, die am Kamphof in Merreter vorbei nördlich vom Merreter Kirchweg auf Rheindahlen zulief.

Da das Gelände an dieser Stelle ganz leicht ansteigt, war dieser zweite Weg zu jeder Jahreszeit begeh- und befahrbar. An der höchsten Stelle zweigte ein heute nicht mehr vorhandener Weg nach Westen, nach Genhausen und die dahinter liegenden Ortschaften ab. Eben diese Wegegabelung trug den Namen “Dörnchen”, wobei die Herkunft des Namens unerklärt bleiben muss. Wie so häufig in der Umgebung schmückte diese Wegegabel ein Wegekreuz. Es war durchaus üblich, solche christlichen Zeichen mit einer Hecke zu umgeben. Hierfür fanden vor allem sogenannte “Dornpflanzen” Verwendung. Einfriedungen von alten Kirchhöfen mit Dornhecken kann man heute noch finden. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass der erfinderische Volksmund den Namen “Dörnchen” davon ableitete, weil jenes alte Wegekreuz vielleicht von einer solchen Dornenhecke umgeben war, womit vielleicht auch die Dornenkrone des Gekreuzigten versinnbildlicht werden sollte. Die Namensbezeichnungen früher lassen die Erklärung zu, dass sich hier ein “Törchen”, in unserem Plattdeutsch “E Dürke” oder “Dörgen” befunden hat, wie in einer alten Karte von 1650 der Name “Dörgen” eingetragen ist.

Ob unter Napoleon auch dieses Wegekreuz entfernt werden musste, ist nicht belegt.

Dörnchen

Text auf dem Lageplan (oben)

Bei diesem abriß ist zu wissen was weiß bedeutet Capittols zehenden was weiß und mit blau gepferbelt halb Capittols halb dem h. pastor, was blau dem pastor was braun geferbet dem küster, was gehlb und mit grau vermißtet, halb dem capitoll und halb dem küster. Volgen die Vorgenaten von “A” über den Dorgentweg biß an dem Weg “B”. Davon über den Weg biß an die fohr “C”. Davon auff den Weg “D”. Davon über den Ratgesweg bis auff den brockerweg “E”. Davon auff den Weg “F” von auff den garten “G” von dannen auff “H” von auff die Kant “I”. von die Kant 14 1/2 Rudt auff “K” nach der Brockerstraßen, von “K” auff den bungart “L” auff “M”. Dann Rechte Leinie auff den ....., von dannen umb der Bungart und garten biß auff “N” dannen auff pall “0”. Davon auff die Garten “P”. Davon umb die garten bis “Q”. Davon auff “R” von dannen auff den heyligenhaßgesweg “S”. Davon auff “A” biß auff den anfank.

Dieser abriß ist gemacht durch mich Corinelis Graß Landt Meßer zu Dahlen.

(Er heiratet in Dalen am 17.04.1659 eine Hilgen Fetten)

Historisches Archiv des Erzbistums Köln. Zehntrechte in Dahlen. Best. A II 218 (1629-1771)

Der erste Bildstock

Dass an dieser Stelle aber heute nicht nur ein mehr oder weniger schlichtes Wegekreuz steht, ist dem Präfekten der Marianischen Rosenkranzbruderschaft Clemens Wolters zu verdanken. Der nämlich und Oberpfarrer Schümmer ließen 1869 dort eine kleine Gnadenstätte bauen. Es handelte sich hierbei um einen verputzten Backsteinbau. Dieser war hellgrau gestrichen. Die Höhe betrug ca. vier Meter. In einer Rundbogennische stand eine “PIETA”, das ist die Darstellung der Gottesmutter Maria mit dem Leichnam Jesu Christi auf dem Schoß. An dem Unterteil des Bildstockes hatte man eine Sandsteinplatte mit Inschrift angebracht. Die Inschrift lautete: “HEIL´GE MUTTER, DRÜCK DIE WUNDEN, DIE DEIN SOHN AM KREUZ EMPFUNDEN, TIEF IN MEINE SEELE EIN.”

Tafel Vorderseite

Alte Sandsteintafel an der Rückseite

Tafel Rückseite

Neue Marmortafel an der Vorderseite

1870 erfolgte eine Bepflanzung durch zwei Lindenbäume sowie Taxus- und Ilexbüsche. Ein Rotdornbaum sollte den Namen “Dörnchen” vermutlich sinnfälliger machen. Sehr schnell wurde das “Dörnchen” zu einem beliebten Gebetsort der Rheindahlener und erhielt im privaten wie im öffentlichen religiösen Leben der Pfarre einen hohen Stellenwert. In früheren Zeiten war es üblich, die Verstorbenen zu Hause aufzubahren. Totenbretter oder Totenkreuze wurden an der Haustür des betroffenen Hauses oder am Toreingang des Gehöftes aufgestellt. Zwischen 1910 bis 1939 verlor sich dieser Brauch. Statt dessen markierte nun ein schwarzer Trauerflor ein Trauerhaus, um jedem Vorbeigehenden kundzutun, dass ein Bewohner des Hauses gestorben und im Hause aufgebahrt sei. Am Tage des Begräbnisses wurde der Sarg mit der oder dem Verstorbenen von den Außenbezirken auf einer zweirädrigen Pferdekarre zur Pfarrkirche St. Helena überführt. Nach dem Totenamt, das je nach Ausschmückung mit ein, zwei oder drei Geistlichen in verschiedenen “Klassen” gehalten wurde, zog der Trauerzug zum Friedhof. Die Bewohner aus den Ortschaften Merreter und Knoor benutzten den oberen der beiden Wege als Kirchweg nach Rheindahlen. Die Teilnehmer eines Beerdigungszuges verharrten am “Dörnchen” zu einem kurzen Gebet und gingen dann den “Dörnchenweg” und die Beecker Straße zur Pfarrkirche in Rheindahlen. Nach dem Totenamt erfolgte eine Zeremonie vor der Kirche am Sarg auf der Pferdekarre, später auf dem Totenwagen. Anschließend erfolgte die Beisetzung auf dem Friedhof.

Die Zeremonie vor der Kirche wird heute in der Totenhalle des Friedhofes abgehalten. Die alten Beerdigungsbräuche und die Benutzung des “Kirchweges” verloren sich mit dem Ausbau des Straßennetzes oder wurden durch technische Entwicklungen verdrängt, so dass auch sei langem kein Trauerzug mehr am “Dörnchen” vorbeizieht und kurz verweilt.

Oberpfarrer Pauen´s Pläne

Oberpfarrer Pauen nahm sich der Gebetsstätte am “Dörnchen” mit besonderer Liebe an. Am Ende des von ihm in den zwanziger Jahren verfassten Schauspiels “Der Zimmermann von Dahlen” lässt Pauen den Pastor von Dahlen, Conrad Cronen, für eben jene markante Feldflur eine Gedächtniskapelle planen. Conrad Cronen: “... Und zum Dank will ich ihr (gemeint ist die Mutter Gottes) ein schönes Kapellchen bauen am Dörnchen, damit alle, die in Leid und Trübsal sind, ..., sie dort besuchen und sich Trost erbitten können.” Am “Dörnchen” eine Gedächtniskapelle zu errichten, war Pauen´s eigener Plan seit Ende des Ersten Weltkrieges 1914 - 1918. Sie sollte den Gefallenen und Vermissten dieses Krieges gewidmet sein. Aus Anlass einer Volksmission vom 5. bis 15. Oktober 1919 besuchten die Pfarrgeistlichen der Pfarre St. Helena alle Haushalte des Kirchspiels und sammelten dabei für eine Gedächtniskapelle am “Dörnchen” insgesamt 3.100 Mark. Der Bruder von Oberpfarrer Pauen, Architekt W. Pauen, der bei dem Düsseldorfer Architekten und Kirchbaumeister Pickel arbeitete und nach 1920 Pickels Architektenbüro übernahm, entwarf die Pläne für diese Kapelle. Offensichtlich gab es in der Pfarre aber erhebliche Widerstände gegen Pauen´s Pläne. Diese und die durch die einsetzende Inflation ins Ungeheure steigenden Baupreise ließen den Bau der “Gedächtniskapelle” scheitern.

 

Plan

Die Bauzeichnung der Kapelle ist leider nicht mehr vorhanden. Überliefert jedoch ist ein Zeitungsbericht über Pauen´s Plan, der ziemlich aufschlussreich ist. “DIE KRIEGERGEDÄCHTNISKAPELLE AM DÖRNCHEN”. Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, den im Kirchenportal ausgehängten Entwurf zu einer Kriegergedächtniskapelle vom Architekten Pauen in Düsseldorf mit Muße zu betrachten. Ich muss gestehen, dass mir dieser ebenso einfach wie künstlerisch wertvolle Plan sowohl im Grundriss wie im Aufbau ausnehmend gefallen hat. Es wäre nur zu wünschen, dass dieser Plan Gestaltung annimmt. Befremdet hat es auf mich gewirkt, dass einige Herren, mit denen ich über diese Angelegenheit gesprochen habe, mir erklärten , dass ich mit meiner Meinung so ziemlich alleine stände. Das soll mich aber nicht davon abhalten, eine gute Sache zu vertreten, zumal ich mich mit meiner Ansicht in guter Gesellschaft befinde. Man soll ruhig dem Kunstverständnis unseres Herrn Oberpfarrers Pauen, der der Träger dieses Planes ist, die Entscheidung überlassen. Denn Kunstverständnis hat er in den anderen Aufbauten und Ausschmückungen unserer Pfarrkirche in reichem Maße bewiesen. Ein Vergleich der Kirchenneubauten anderer Gemeinden mit dem der Gemeinde Rheindahlen beweist dieses schlagend. Wie wohltuend berührt es, dass der Herr Oberpfarrer es verstanden hat, die alten, reizenden Altäre und andere kirchliche Requisiten zu erhalten und dem neuen Rahmen geschmackvoll und künstlerisch einwandfrei einzupassen. Bei verschiedenen Kirchenneubauten habe ich gesehen, dass alte, wertvolle Barockaltäre, Renaissance Beicht- und Predigtstühle als Gerümpel auf den Söller wanderten oder sogar in Ausflugslokalen Verwendung fanden (siehe Vennhof bei Anrath, wo vor einigen Jahren ein schöner, alter Altaraufbau als Abschluss zweier Wirtschaftssäle und ein künstlerisch wertvoller Renaissancekronleuchter aus Steingut zu sehen waren.) Nichts von alledem hier. Ein liebevolles Erkennen und Bewahren, gepaart mit einer glücklichen Hand, hat uns hier das Wertvolle und Künstlerische erhalten. Einem solchen Mann kann man zutrauen, dass das, was er sich zu schaffen vorgenommen hat, nach künstlerischen Richtlinien und praktischen Gesichtspunkten ausgeführt werden wird. In der Tat, wenn diese Kapelle gebaut wird, kann sich Rheindahlen dazu beglückwünschen. Reizend in ihrer Art wird sie sich in die Gegend hineinschmiegen, da in der ganzen Anlage und im Aufbau die ländliche Umgebung liebevoll berücksichtig ist. Der Architekt hat in künstlerischer Eigenart ein Kleinod geschaffen. Persönlich wünsche in dem Herrn Oberpfarrer, dass ihm für sein Werk recht viele Gönner erstehen, die ihm mit klingendem Metall oder auch mit den nötigen Papierscheinchen zur Seite springen, damit der Anregung recht bald die Ausführung folgen kann ....”

Zerstörung und Wiederaufbau der Betstätte nach 1945

Die Amerikaner stießen bei ihrem Einmarsch am Dienstagvormittag des 27. Februars 1945 von Erkelenz und Wegberg vorrückend in Richtung Rheindahlen auf Gegenwehr deutscher Truppen. Es kam vor Rheindahlen zu einem Feuergefecht , bei dem das “Dörnchen” durch einen Granateneinschlag zerstört wurde. Ein Augenzeuge berichtet, dass man ein paar Tage später die hier verehrte Madonna an einem Strick in einem Baum hängend vorfand. Der oder die Schänder wurden nie bekannt. Die bisher so beliebte Gebetsstätte blieb erfreulicherweise nicht lange verwüstet. Das alte Sprichwort: “Not lehrt beten” hat sich hier bewahrheitet. Trotz- oder besser: wegen der herrschenden Not durch Kriegs- und Nachkriegszeit blieben Besucher der Stätte nie aus und bald regten sich fleißige Hände. Auf dem noch vorhandenen Rest des ehemaligen Bildstockes errichtete man ein einfaches Holzkreuz mit einer Höhe von etwa zwei Metern. Dieser Zustand währte dann bis zum Wiederaufbau im Jahre 1950. Am 10. September 1950 fand die Grundsteinlegung statt zur Wiedererrichtung des kleinen Heiligtums zu Ehren Muttergottes. Die verbliebenen Trümmerreste des zerstörten Bildstockes fanden Verwendung zur Verfüllung des Innenraumes des neuen Bauwerkes. Der darüber hinaus noch übrig gebliebene Bauschutt gelangte in ein “Scharrloch” am Weg nach Genhausen. Dies war eine etwa sechs Meter tiefe Abgrabung , die beim Bau der Eisenbahnlinie Rheydt - Dahlheim offen gelassen worden war.

Dörnchen6
Et Döörke

Die neue PIETA von Will Sommer

Natürlich sollte das “Dörnchen” auch wieder eine Muttergottesstatue erhalten, zu deren Ehren auch der neue Bildstock weiterhin geweiht blieb. Den Auftrag hierfür erhielt Will Sommer. In einer Festschrift der Will Sommer Schule ist dazu zu lesen: “Eine seiner Arbeiten ist die monumentale PIETA-DARSTELLUNG am DÖRNCHEN im Merreterfeld, diesmal als Steinguss, eine Maria, die ihrem vom Kreuz genommenen Sohn vorzeigt mit Blickrichtung Rheindahlen: SEHT HIER EUER ERLÖSER.”

Ein Freund von Will Sommer schreibt ausführlicher:

Eine neue Madonna für “ET DÖÖRKE”.

Mitten in reifenden Ährenfeldern zwischen Rheindahlen und dem kleinen Dörfchen Merreter liegt “et Döörke”, ein Heiligtum, zu dem fromme Beter wallen. Mächtige Bäume überschatten es, Weißdornhecken verbergen es, und deshalb hat es der Volksmund “et Döörke” genannt. Der Krieg hat davor nicht Halt gemacht. Artilleriebeschuss riss ihm Wunden im zweiten Weltkrieg. Aber die Rheindahlener Rosenkranzbruderschaft, die in diesem Jahr 1950 ihr 350jähriges Bestehen feiern kann, will es wieder erstehen lassen. Den Auftrag dazu erhielt Will Sommer aus Wickrathhahn, ein Schüler Hein Minkenberg´s, ein mit der heimatlichen Scholle tief verbundener Mensch, der ihre Herbe, ihren Weitraum, ihre Fruchtbarkeit und ihre Frömmigkeit in seinen Werken aufklingen lässt. Er schuf die lebensnahe Weihnachtskrippe in der Rheindahlener Kirche, den überlebensgroßen St. Matthias in der Linner Bunkerkirche und den Christus in der Notkirche Wickrath, den er aus Balken des alten Kirchturms der Wickrather Kirche arbeitete, die der Bombenkrieg restlos zerstörte.

Muttergottes

Die neue Madonna im “Dörnchen”, wie Will Sommer sie gestaltet hat.

Dörnchen 30

Will Sommer, der aus dem Schreinerhandwerk kommt, wurde von Professor Minkenberg entdeckt, aber es kam zunächst noch nicht zu einer endgültigen Verbrüderung mit der Kunst des Bildhauers. Einige schwere Arbeitsjahre in der Zeche in Hückelhoven liegen dazwischen, bis Will Sommer beim Zubruchgehen einer Strecke mit in die Tiefe gerissen und schwer verletzt geborgen wurde. Nun wird der Entschluss, Künstler zu werden, reif in ihm.

Er studierte in Aachen Plastik und Kunstgewerbe. Bald drängte es ihn zum freien Schaffen und mit der ihm eigenen zähen Verbissenheit machte er sich ans Werk. Man muss ihn formen sehen, man muss erleben, wie er einen neuen Klotz aus dem Walde gewissermaßen mit den Blicken abschätzt und erwägt, was damit anzufangen sei. Es ist eine richtige stumme Unterhaltung zwischen Mensch und Baum. Nun soll er die neue Madonna für “et Döörke” gestalten und er versucht in seiner Muttergottes zugleich die Mutter des Landes zu schaffen. Über die vor der Mutter liegende Gestalt des Gottessohnes hinweg schaut die Madonna ins Ferne, Unbegreifbare, Ewige und scheint dort irgendwo in unbegrenzter Sehnsucht den Frieden der Welt zu suchen. Es ist ein Blick über die Weite der fruchtbaren Ähren, in denen die Kraft und der Segen ewiger Ruhe und seligen Friedens schlummern. Es ist ein Werk von tiefem, gläubigen Stimmungsgehalt, diese weite suchende Madonna Will Sommer´ss.

In Wickrathhahn wohnt er ganz am Ende des Dorfes mit dem Blick in die Felder, in den dunklen Buchholzer Wald, dessen Stämme ihm Freund sind, aus diesen Stämmen seine Gestalten wachsen wie diese Bäume selber in den offenen niederrheinischen Himmel. Will Sommer ist der fröhliche und schwere Sinner und Träumer in diesen ewigen Weiten.

(Aus dem Nachlass von Will Sommer, Brief an ihn vom 25.07.1950 aus Rheydt mit unlesbarer Unterschrift (evtl. E. Kinter))

Auch die zerstörte Bepflanzung wurde gerichtet und durch Douglastannen, weitere Taxus- und Ilexsträucher sowie einen neuen Hochstamm Rotdorn ergänzt. Eingefriedet wurde das Gelände mit einem Holzzaun. Er ist Eigentum der Pfarre St. Helena, wird im Kataster geführt unter: Gemeinde Rheindahlen, Flur 60, Nr. 34 mit der Bezeichnung “Am Röttgen”. Die Größe beträgt 208 qm.

Am 01. Oktober 1950 fand in der Pfarrkirche St. Helena eine Andacht zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes statt. Anschließend zog eine Prozession zum “Dörnchen”, um dort das wiedererrichtete kleine Heiligtum zu weihen.

Das “Dörnchen” heute

Am 11. Mai 1969 beging die St. Helena Pfarre das 100jährige Bestehen des Bildstockes “am Dörnchen”. Mit einer kurzen Andacht begann eine Feier in der Pfarrkirche, an die sich die gemeinsame Wallfahrt zum “Dörnchen” anschloss. Eine Musikkapelle begleitete die Prozession, zu der die ganze Gemeinde aufgerufen war. In seiner Predigt machte Oberpfarrer Rottleb noch einmal deutlich, warum unsere Vorfahren den Bildstock unter dem Titel der “Schmerzhaften Mutter Gottes” errichtet hatten. Eine Eucharestiefeier mit feierlichem Schlusssegen beendete dieses Jubiläum. Seit seinem Bestehen hat die Pflege der Betstätte eine große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung gefunden. So bemüht sich auch heute ein fester Kreis Gleichgesinnter, an der Gebetsstätte Ordnung zu halten. Dass dennoch immer wieder Zerstörungen auch am “Dörnchen” vorkommen, ist eine wahre Plage unserer Zeit.

Über Pfingsten 1976 wurde das kleine Marienheiligtum auf unverschämte Weise stark beschädigt. Nachdem bereits im Mai des gleichen Jahres die Marmorplatte mit den wichtigsten Daten zerstört worden war, schlugen Unbekannte nun so auf die Statue ein, dass der Kopf nur noch lose auf dem Rumpf aufhing. 1995 besprühten Unbekannte die Statue und die Rückwand des Bildstockes mit Farbe.

Neue Kniebank

Bleibt der dringende Appell an alle, solidarisch mit zu sorgen, dass Orte der Besinnung und des stillen Gebets wie das “Dörnchen” uns noch lange erhalten bleiben.

Neuer Jägerzaun

Neuer Jägerzaun Mai 1997

Rückseite

Neue Kniebank

Dörnchen 31

Rückseite des “Dörnchen”